Allerheiligen (Día de los Santos, mallorquin: Tots Sants) am 1. November ist der Tag, an dem man eigentlich nur der Heiligen gedenkt. Und zwar all jener, die keinen eigenen Feiertag haben. Sozusagen die Heiligen, “um deren Heiligkeit niemand weiß, außer Gott”, wie es heißt. Den normalen Verstorbenen jedoch gehört der darauf folgende Tag, Allerseelen (Dia de los Difuntos, mallorquin: Dia dels Morts). Doch da nur der 1. November ein staatlicher Feiertag ist (in diesem Jahr ein Sonntag), hat sich das Ganze ein wenig verlagert.

Doch in diesem Jahr ist alles anders, zumindest auf den großen Friedhöfen der Insel, speziell auf dem Friedhof in Palma. Denn Menschenmengen gilt es zu vermeiden. Immerhin zählte man dort in “normalen” Jahren etwa 20.000 bis 30.000 Besucher allein am 1. November. Daher musste man sich diesmal vorab anmelden für bestimmte Zeitfenster und Zonen. Entweder auf der Website www.efm.es oder telefonisch 690 306 289. Dafür wurde der Friedhof in drei Bereiche unterteilt mit spezifischen Ein- und Ausgängen. Maske gilt es zu tragen und Abstand zu halten.

Frieden, Melancholie, Ruhe, Poesie

1821 eingeweiht, erstreckt sich der Friedhof über mehrere Ebenen auf über 20 Hektar. Wer die friedliche Stimmung eines Friedhofs spüren will, sollte sowieso einige Tage später gehen, wenn die frischen Feiertags-Blumen schon ein wenig welken und durch ihre Patina zum Friedhof fast besser passen. Ein Spaziergang über speziell den Friedhof in Palma hat nichts morbides, sondern höchstens etwas melancholisches und auch schönes, wenn man die Gräber sieht, die in die Grabsteine gravierten Sprüche liest und die Zeit und Tod überdauernde Liebe zu den Verstorbenen spürt. Die Gräber, ob bescheiden oder opulent als Grabmal gestaltet, ob zärtlich mit Stofftieren bei Kindergräbern geschmückt oder stattlich mit Statuen versehen, erzählen mannigfaltige Geschichten.

Was geschieht eigentlich nach dem Tod?

Schon wenige Stunden nach der Abholung durch den Bestatter, egal ob es mitten in der Nacht ist oder am helllichten Tag, wird der Leichnam in einem „Tanatorio“, also einer Leichenhalle, die sich für gewöhnlich direkt am Friedhof befindet, aufgebahrt. Und Verwandte und Freunde können sich verabschieden. Nach der Verabschiedung wird der Tote in einem Grab beigesetzt oder eingeäschert. Die Beerdigung oder die Verbrennung wird zumeist innerhalb von 24, spätestens jedoch nach 48 Stunden stattfinden. Diese eilige Handhabung basiert auf der Tatsache, dass die Leichenhallen früher noch nicht mit einem Kühlungssystem ausgestattet und die Menschen glaubten, dass sie sich bei den in ewigem Frieden Ruhenden mit Krankheiten anstecken könnten, deswegen war das Interesse an einer schnellen Bestattung sehr groß. Auch heutzutage ist es noch nicht Standard, dass jedes Leichenhaus über eine Kühlmöglichkeit verfügt. Allerdings ist es möglich, mit einer Ausnahmegenehmigung die toten Körper auch länger als nur zwei Tage aufzubahren, wenn es sich zum Beispiel um einen ausländischen Verstorbenen handelt, der in sein Heimatland überführt werden soll oder man auf die Ankunft von Trauernden aus dem Ausland wartet. Bei den gläubigen Hinterbliebenen gehört es noch dazu an dem Gedenkgottesdienst in der Kirche Teil zu nehmen.

Martina Zender, Juliane Mayol Pons. Fotos: Martina Zender

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