Für die Fahrradfahrer gehört es schon nahezu zum Kult und ist eigentlich ein absolutes Muss: das Erklimmen des Berges Sant Salvador mit den Drahteseln. Auf dem selben Berg und in einer Höhe von 509 Metern über dem Meeresspiegel befindet sich auch das fast gleichnamige Kloster Santuari de Sant Salvador bei Felanitx. Schon auf der kurvenreichen Auffahrt gibt es zwei außergewöhnliche Besichtigungsbesonderheiten.
Zum einen das Steinkreuz „Es Picot“, das Ende der fünfziger Jahre errichtet wurde und nur zu Fuß erreichbar ist, und zum anderen die kleine Kapelle, die zu Ehren der heiligen Jungfrau aufgebaut ist. Beim Befahren der Serpentinenstraße, die insgesamt 5,5 km misst, ist, je nach Jahreszeit, besondere Obacht geboten. In den Frühjahrs- und Herbstmonaten sind es meist die Radlerkolonien, die in Dreierreihen vor einem und in ihrem eigenen Tempo den Berg bezwingen, und in den Sommer- und Wintermonaten sind es dann die Autofahrer, die durch ihre kreativen Parkideen das Weiterfahren nicht gerade vereinfachen.

Monument mit mystischer Wirkung
Kurz vor dem Erreichen des Parkplatzes des Klosters und so ganz unerwartet, erscheint vor einem plötzlich das „Crist Rei“, ein beeindruckendes Denkmal des Christkönigs. Mit seiner Höhe von 37 Metern und obendrauf mit einer 7 Meter hohen Statue des Christus ist es sehr imponierend, wenn man davor steht und gen Himmel das Memorial betrachtet. Dieser malerische Anblick wird gekrönt von einer grandiosen Aussicht, die bis zur Küste von Portocolom reicht. Nach dem Genießen dieser friedvollen Atmosphäre geht es nun weiter in das Zuhause des Sant Salvador, dem heiligen Retter. Nach dem Begehen der relativ einfachen und überschaubaren Abtei geht es über den Flur, in dem so einige Trikots und Fotos von ehemaligen Rennradfahrerhelden zur Schau hängen, zur Kirche des Stiftes, die in den Jahren 1705-1716 und im gotischen Stil errichtet wurde.

Ein unergründliches Naturschauspiel
Das von außen eher schlicht wirkende Gotteshaus hat ein durchaus abwechslungsreiches Innenleben. Jeden Tag, um Punkt 12 Uhr wird das Engelsgebet vom Klosterbetreiber Juan Serra oder seiner Frau gesprochen – in spanischer, mallorquinischer und englischer Sprache. Musik wird drinnen auch gespielt, um genau zu sein die Chorgesänge aus der „Tannhäuseroper“ von Richard Wagner. Durch das Einwerfen von zwei Eineuromünzen in das Musikauslösegerät ertönen die Wagnerkompositionen und werden dabei von verschiedenen Lichterquellen, die im Rhythmus flackern, begleitet. Doch die absoluten Highlights passieren nur viermal im Jahr. Am 29. und 30. Oktober, jeweils um 8.15 Uhr sowie am 11. und 12. Februar um 8.45 Uhr: An diesen Tagen, wenn sich die Sonne über der Kirche erhebt, dringt ein Sonnenstrahl durch das Rosettenfenster hinein bis zum Altar und bringt die dort positionierte Jungfrau Maria zum Leuchten.

Sinnieren und invertieren
Bis zu 400 Besucher aus aller Welt tummeln sich fast täglich an diesem außergewöhnlichen Ort. So einst auch die italienische Punkband „The Sun“, die ihre Erfolge hauptsächlich in ihrem Heimatland und den USA feiert. Wie es für viele Musikgruppen üblich ist, führten auch diese Bandmitglieder ein Leben nahe am Limit und deren Alltag bestand hauptsächlich aus Drogen und Partys.
Doch nach dem Aufenthalt in dem Kloster hat der Sänger der Gruppe, Francesco Lorenzi, seinen inneren Frieden gefunden und kehrte zu den christlichen Werten zurück. Heutzutage gibt es die Band immer noch und sie machen auch weiterhin erfolgreich Musik, nur eben anders, religiöser.
Brot und Wein
Im einem Teil des Klosters befindet sich ein Restaurant, das schon in der dritten Generation von einer einheimischen Familie geführt wird und das durch seine deftige Küche und süffigen Wein schon so manchen Besucher zum Wiederkehren gebracht hat. Man kann aber auch Übernachten. Ein anderer Teil beinhaltet Übernachtungsmöglichkeiten, die einer mallorquinischen Hotelkette unterstehen (www.santsalvadorhotel.com). Das Speiselokal und das Gästehaus zahlen eine bestimmte monatliche Rate an die Klosterbetreiber und diese nutzen diesen Geldsegen für die Instandhaltung der Heiligenstätte, denn nur von Brot und Wein lebt es sich nicht besonders fein. Die Öffnungszeiten sind dienstags und donnerstags von 7.30-18 Uhr und an den restlichen Wochentagen von 7.30-19.30 Uhr.
Mehr Informationen erhält man unter der Telefonnummer 971 827 282 oder der E-Mail: santuarisantsalvador@gmail.com
Juliane Mayol Pons

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