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Kathedrale der Berge, das ist der zweite Name des Stiftes „Santuari de la Mare de Deu de Bonany“ bei der kleinen Weinstadt Petra. Auf dem Gipfel des fast gleichnamigen Berges, Puig de Bonany, in einer Höhe von 317 Metern über dem Meeresspiegel, thront die beinahe majestätische Abtei, inmitten eines etwa 330 Hektar großen Naturschutzgebietes. „Bon Any“ heißt übersetzt „Gutes Jahr“. Die Geschichte besagt, dass das Jahr 1607 ein sehr gutes Jahr für die Landwirte war. Zunächst sei es sehr trocken gewesen und die Bauern hatten große Sorge um ihre Ernte. Doch deren Gebete zur Mutter Gottes wurden erhört und die Einfuhr der Aussaat viel sehr üppig aus. Als Dank für das Erbarmen der heiligen Jungfrau erbauten die Bauern ihr zu Ehren die Kapelle.

Von Mallorca nach Amerika
Wer gut zu Fuß ist, der kann die Spitze des Berges über den gut ausgeschilderten Wanderweg erreichen. Die knapp vier Kilometer lange Strecke von Petra aus zieht sich durch eine wunderschöne Naturkulisse und bietet immer wieder grandiose Ausblicke auf die malerische Landschaft. Sollte man jedoch auf die mobile Variante bei der Erklimmung des Hügels setzen, so wählt man die überraschend gut erhaltene und fast ohne Schlaglöcher vorhandene Serpentinenstraße.
Aber Vorsicht, an manchen Stellen ist die asphaltierte Auffahrt sehr eng und hat schmale Kurven, bei Gegenverkehr ist besondere Vorsicht geboten. Ein steinernes Kreuz am Rande der Strecke dient als Denkmal an den in Petra im 18. Jahrhundert geborenen Bruder Junípero Serra, ein mallorquinischer Ordenspriester und Franziskaner, der in der römisch-katholischen Kirche als Heiliger verehrt wird und als Begründer der Stadt San Francisco und anderer Städte Kaliforniens gilt, weil sich im Laufe der Jahrhunderte rund um die von ihm einst gebauten Missionen Städte gebildet hatten. Eine Büste von ihm steht im Capitol in Waschington, umgeben von anderen Helden der amerikanischen Nation. Entworfen wurde das Memorial auf Mallorca von dem lokalen Handwerker Joan Vives Lliteras.

Picknicken unter Bäumen
„Eine dösende Katze ist das Abbild perfekter Seligkeit“, behauptete einst der französische Katzenliebhaber und Schriftsteller Jules Champfleury. Schon auf dem kostenlosen Parkplatz der Abtei kommen einem die Schmusetiger entgegen, einige sind sehr zutraulich, andere beobachten lieber das Geschehen aus einer sicheren Entfernung und die ganz entspannten Samtpfötchen schlummern weiterhin vor sich hin und sind durch Nichts aus der Ruhe zu bringen. Nicht immer ist die Atmosphäre so ruhig und selig, schon gar nicht in der Osterwoche und zur Hochsaison, denn da sind es besonders die vielen Einheimischen und Touristen, die die Grill- und Picknickmöglichkeiten des Klosters für sich nutzen. Es gibt keinerlei Verpflegung, nur erfrischendes Quellwasser aus dem vorhandenen Brunnen, für seinen Proviant ist man selbst verantwortlich. Im Schatten der Pinienbäume, mit herrlichem Weitblick – bei gutem Wetter kann man sogar bis Manacor sehen, Mallorcas zweitgrößter Stadt – oder auch bei leichtem Windhauch schmeckt es einem doch besonders gut und außerhalb der Saison sowie unter der Woche lässt sich mühelos ein freies Plätzchen finden.

Musikalisch und farbenfroh
Die Kirche des Klosters, die überwiegend im barocken Stil erbaut wurde, kann locker mit den wunderschönen Ausblicken mithalten. Auf der linken Seite des herrlich verzierten Gotteshäuschens befindet sich die in die Steinwand eingemauerte Grottenkrippe. Wenn man rechts und links dieser durch die kleinen, runden Fenster schaut, bekommt man weitere versteckte Darstellungen zu sehen. Hinter dem Altar befindet sich die Figur der heiligen Jungfrau Maria, die, salopp ausgedrückt, auch als die „Regenmacherin“ tituliert wird. Weitere religiöse Relikte bereichern das Innenleben der Kapelle, doch am beeindruckendsten sind die zwei Rosetten und mehrere bunte Glasfenster, durch die die Sonne einzigartige Farbspiele auf die Wände des Gebäudes und den Fußboden zaubert. Umrandet wird das ganze Naturschauspiel von beruhigenden Musikklängen, die aus den vier Lautsprechern in angenehmer Lautstärke ertönen.

Weniger ist mehr
Wer länger als nur ein paar Stunden an diesem heiligen Ort verbringen möchte, dem bieten sich fünf Zimmer. Wenn man jetzt aber an ein Hotel oder an moderne, top ausgestatte Zimmer mit besonderen Service denkt oder hofft, dies vorzufinden, dann ist man fehl am Platz. Die Übernachtungsräume sind sehr, sehr schlicht und einfach ausgestattet, man versucht den Stil aus dem 19. Jahrhundert so gut es geht im Original zu erhalten. Gegen eine Spende von mindestens 15 Euro pro Person und Nacht sowie nach telefonischer Vereinbarung kann man den Minimalismus der Gemächer persönlich erleben. Auch hier gilt, dass man für seine Verpflegung selbst verantwortlich ist. Für weitere Informationen in spanischer oder mallorquinischer Sprache, steht Maria, die übrigens mit ihrem Mann schon seit knapp über 30Jahren das Anwesen betreut, unter der Telefonnummer 971 826 568 gerne zur Verfügung.
Juliane Mayol Pons

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