Lockdown. Das galt Mitte März nicht nur für das öffentliche Leben, sondern auch Kinder waren und sind betroffen. Keine Schule mehr, zu Anfang kein Ausgang, keine Treffen mit Freunden, geschlossene Spielplätze. Schwer genug war und ist es für Erwachsene die notwendigen Sicherheits-, Abstandsund Hygieneregeln zu akzeptieren. Wie schwer war dies erst für Kinder?
Wir fragten Betroffene zu ihren Erfahrungen über Schule, Psyche und Zukunft.

Aline K. und Emma
Die berufstätige Aline ist alleinerziehende Mutter der 10-jährigen Emma, die die 5. Klasse einer öffentlichen Schule besucht beziehungsweise aktuell nicht besucht.
Wie lief es ab?
Es war ein strenges und ziemlich toughes Programm, das die Kinder absolvieren mussten – mit festen Zeitregeln für die Hausaufgaben und einer 2-stündigen täglichen Schulstunde dazwischen als Zoom-Videokonferenz. Einen positiven Effekt gab es: Meine Tochter hat sich notenmäßig sogar verbessert.
Gab es vorbereitende Gespräche?
Nicht eins. Wir Eltern wurden ins kalte Wasser geworfen und mussten sehen, wie wir unseren Kindern als “neue” CoLehrer helfen konnten.
Was war das Schwierigste?
Alles erfolgt hier ja nur über Catalan und ich spreche und verstand die Sprache eher schlecht, das erschwert natürlich meine mögliche Hilfe. Aber jetzt bin ich zwangsweise besser geworden – immerhin.
War es mehr oder weniger Pensum?
Ich fand es zuviel, Emma war fast jeden Tag bis spätnachmittag damit beschäftigt.
Was war/ist das Hauptproblem?
Mir geht es nicht so sehr ums Lernen, sondern der soziale Aspekt war und ist hart. Das sie etwa ihre Schulfreunde nicht sehen konnte, ihre beste Freundin nicht umarmen darf. Da floss auch so manches Tränchen. Emma versteht zwar auf Grund meiner Erklärungen, was aktuell los ist, aber sie ist viel ängstlicher als zuvor. Kommende Reisen von ihr – wie in anderen Ferienzeiten auch – zur Familie nach Deutschland, kommentiert sie mit “Und was, wenn der Virus zurückkommt und die Grenzen geschlossen werden?
Wie sieht die Zukunftsvision aus?
Ich hoffe, dass wir irgendwann wieder ein normales Leben führen können und meine Tochter das Ganze physisch und psychisch unbeschadet übersteht und alles gut verarbeiten kann. Was die Schule angeht – da sagte man uns, das kann bis zum Winter dauern…

Carina H. mit Hermine, Johannes und Charlotte
Die berufstätige Carina ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern (5, 8 und 10 Jahre), die auf eine halb private Schule gehen.
Wie lief es ab?
Montags kam das Wochenprogramm mit den Aufgaben, die täglich absolviert werden mussten. Hinzu kamen Videokonferenzen oder Tutorials über YouTube.
Gab es vorbereitende Gespräche?
Nein, wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt.
Was war das Schwierigste?
Die Kinder von heute lernen anders als wir früher und – wie ich finde – ist es viel komplizierter. So gibt es in Mathe andere Lösungswege, die ich auch nicht verstehe. Also hab ich mit meinen Kindern die “alte” Methode gelernt.
Haben Sie zusätzliche Hilfe in Anspruch genommen?
Ja, aber das mache ich schon seit Jahren. Es gibt eine nette mallorquinische Jung-Lehrerin, die zweimal pro Woche mit meinen Kindern lernt, auf unterhaltende Weise. Und das war in dieser Zeit auch eine schöne Abwechslung für die Kids, die sie sehr mögen.
Was hat geholfen damit umzugehen?
Wir haben das Ganze vor allem mit viel Humor überstanden. Das wichtigste ist doch, dass Kinder Spaß haben – auch am Lernen. Verbissenheit bringt da garnichts. Meine Kinder sind Gottseidank total tiefenentspannt, aber wir leben auch in einem Haus mit Garten, da fühlte man sich nicht so kaserniert.

Ursula W. mit Lilly und Ben
Die berufstätige Ursula lebt zusammen mit ihrem Mann und drei Kindern, wovon die 15-jährigen Zwillinge Lilly und Ben noch zur Schule gehen (9. Klasse).
Wie lief es ab?
Montags kam das Wochenprogramm mit den Aufgaben, die täglich absolviert werden mussten. Hinzu kamen Videokonferenzen oder Tutorials über Youtube. Meine Kinder sind sehr selbständig, da muss ich mich nicht um Hausaufgaben etc. kümmern. Zumal sie zu zweit sind, da haben sie viel zusammen erledigt.
Gab es vorbereitende Gespräche?
Nein, daran hatte die Schule kein Interesse.
Was war das Schwierigste?
Was ich nicht so gut fand, das jede Schule ihr Vorgehen so individuell handhabt, denn manche Schulen haben es sehr lässig genommen, andere scheinen die Kinder überfordert zu haben. Das hätte man übergreifend sinnvoller und einheitlicher regeln müssen.
Gab es auch einen positiven Aspekt?
Die Note vom VorCorana Trimester wurde als Basis genommen, kein Kind bekam eine schlechtere Note. Aber sie konnten sich durch gute Noten bei Hausaufgaben oder Tests verbessern. Das halte ich für eine faire Idee.

Christine S. mit Lukas, Robin und Joel
Die berufstätige, aber jetzt auf Grund von Corona arbeitslos gewordene Christine lebt zusammen mit ihrem Partner und drei Kindern (10, 8 und 2 Jahre), die auf eine staatliche Schule gehen.
Wie lief es ab?
Man holte sich auf der Internetseite der Schule jeweils die Aufgaben und musste sie täglich erledigen. Ab und an wurden auch Videos und Tutorials gemailt, aber selten. Mein ältester Sohn bekam meiner Meinung nach viel zu viele und zu schwere Hausaufgaben, und da die Kinder eigentlich im normalen Schulbetrieb kaum Hausaufgaben erledigen müssen, war dies quasi Neuland für sie.
Gab es vorbereitende Gespräche?
Nein, wir waren komplett auf uns alleine gestellt. Die Lehrer haben uns nicht geholfen.
Was war das Schwierigste?
Wo fängt man da an? Eigentlich war die Zeit der blanke Horror. Die Kinder waren ja sozusagen in der Wohnung eingesperrt, haben sich oft untereinander und mit mir gestritten, technisch war man überfordert, Geräte gingen in der Zeit kaputt und ich musste parallel ja eigentlich arbeiten – aber das hat absolut nicht geklappt.
Gab es auch einen positiven Aspekt?
Wir haben ab und an auch eine schöne kreative Zeit miteinander verbracht, man musste sich ja viel einfallen lassen, um die Kinder bei Laune zu halten. Und die hatten zum Spielen ja auch wenigstens immer einen Bruder an der Seite. Aber ansonsten gab es nichts Positives – und jetzt kommen nochmal mindestens drei Monate. Eine Katastrophe.

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