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Uta M. Gritschke aus Münster zog der Liebe wegen 2007 auf die Insel. Die Liebe ging, die Liebe zur Insel blieb. Sie ist vielseitig engagiert und erfolgreich, Gründe genug, sie vorzustellen.

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In den nächsten Wochen kann es Ihnen passieren, dass Uta M. Gritschke an einem Stand in Palma steht, Sie anspricht und mit Ihnen über umweltpolitische Missstände oder über Ziele und Visionen der Partei Més per Mallorca reden will. Denn bei den Wahlen am 26. Mai wird sie als einzige Deutsche für die linksliberale, grün-orientierte und sozial engagierte Partei Més per Mallorca, die aktuell in der Regierungskoalition vertreten ist, für den Stadtrat von Palma kandidieren. Und da “hat man natürlich auch Stand-Dienst, verteilt Flugblätter und ist bei Aktionen dabei, auch wenn der offizielle Wahlkampf erst zwei Wochen vor der Wahl beginnen darf”, erzählt die 45-Jährige, die in Münster geboren ist und seit 2007 auf Mallorca lebt. Wobei sie kein eingetragenes Parteimitglied, sondern unabhängig geblieben ist. Das ist aber für Més augenscheinlich kein Problem: “Wir freuen uns über aktive Mitwirkung, speziell auch von den hier lebenden Ausländern”, so Neus Truyol, eine der MésSpitzen Mallorcas und Chefin der Stadtwerke Emaya. “Unsere Kultur-, Umwelt- und Sozialthemen gehen alle hier lebenden Menschen etwas an, zumal man in einigen Bereichen ja auch bei Euch schon viel weiter ist. Daher können wir von Erfahrungen aus anderen Ländern nur lernen.”

In ihrer Ausstellung “Habitació 155”

Mittlerin zwischen den Welten
Uta wurde, wie sie sagt, in ein SPD-Elternhaus hineingeboren. Man war liberal und offen, der Vater war Lehrer für Kunst, Philosophie und Französisch. Die Liebe des Vaters zur Kunst übertrug sich auf die Tochter, die nach dem Abitur und einem viermonatigen Aufenthalt in Barcelona zwecks Spanisch-Lehrgang in Berlin Kunstgeschichte und Kulturwissenschaften studierte. Politisch war sie zwischenzeitlich “grün” geworden. “Natürlich habe ich mich auch damals schon engagiert. Das begann mit Demonstrationen gegen Atomkraftwerke. Aber
ich war, wie so viele, eher mental dabei, so richtig aktiv war ich nicht”, gibt sie heute zu.

Das ist anders geworden. “Ich bin jetzt in beiden Welten zuhause, spreche nicht nur spanisch, sondern auch mallorquin und denke, ich kann eine gute Mittlerin zwischen den Mallorquinern und den Ausländern sein. Ich höre, was sie am jeweils anderen schätzen, aber auch, was sie nicht mögen.” Vor allem betrifft das die Kultur, aber auch soziale und nicht zuletzt ganz pragmatisch praktische Themen. “Viele, die hierher kommen, wollen eigentlich nur ein Leben mit mehr Wärme und Sonne. Aber es gibt auch etliche, die sich ebenfalls engagieren wollen, die das Land, die Leute und deren Kultur kennenlernen möchten und ein Miteinander einem Nebeneinander den Vorzug geben – auch im Engagement für Themen, die uns alle betreffen.” Dies betrifft Uta Gritschke auch ganz persönlich: “Die Insel hat mir soviel gegeben, da möchte ich auch etwas zurückgeben und helfen, sie positiv mitzugestalten.”

“Treffen Sie den Bürgermeister”
Nicht zuletzt deshalb rief sie – noch vor ihrer Parteiaktivität – vor fast genau einem Jahr, im Januar 2018, ein Treffen ins Leben, bei dem ausländische Residenten mit “ihrem” Bürgermeister Antoni Noguera, er gehört der Partei Més an, einmal in legerer Atmosphäre reden und ihn zu allem, was sie interessiert, befragen können. Auch kritisch. Das erste Mal fand es in ihren eigenen Räumlichkeiten statt. Zwei weitere Treffen folgten an anderen Orten in Palma. Schließlich wurde Més auf die engagierte Deutsche aufmerksam und man fragte, ob sie nicht bei der Partei mitmachen wolle – und sie wollte. Das war im letzten Oktober. Hat sie die Hoffnung, in den Stadtrat einzuziehen? “Eher nicht, es kommen wohl nur die ersten drei bis fünf von unserer Liste in den Stadtrat. Aber ich bin ja auch erst seit Oktober dabei. Und dabei sein ist ja bekanntlich auch viel Wert – und nützlich.”

Kunst und Wein
Zeitsprung. Zurück ins Berlin mit der Noch-Studentin Uta. Dort traf sie auf den Mallorquiner Juan Carlos, der im Rahmen seines Hotelmanagement-Studiums in Berlin lebte – der Sprache wegen. Die beiden reisten immer mal wieder nach Mallorca, bis Juan Carlos wieder ganz auf Mallorca blieb. Uta pendelte jahrelang und zog dann schließlich ebenfalls auf die Insel. Das war 2007. Ein Jahr später eröffnete sie ihre Galerie “Intersecció Art” in Palmas Altstadt, in der sie unbekanntere, teils auch schräge Künstler ausstellte. Und wieder zwei Jahre später wurden Fässer reingerollt, denn gemeinsam mit ihrem Freund startete in den vorderen Räumen der Galerie die Sifonería. Das Konzept war animiert von dem Vintage-Trend bei Getränken, den sie auch in Berlin mitbekamen – wie etwa das (kurzzeitige) Revival der ehemaligen DDRCola Vita. So gab und gibt es Siphons, alte Traditionslimonaden der Insel und das Pfandflaschensystem ebenso wie den Weinverkauf direkt ab Fass. 2011 dann die Trennung. Uta widmete sich mit einer Freundin, Rosa Maseda, anderen Projekten wie Popup-Eintags-Restaurants in ungewöhnlichen ViertelBars in Palma, wo sich stets bei gutem, von Uta und Rosa gekochtem Essen zum günstigen Preis eine nette Runde von Menschen versammelte, darunter auch die Autorin dieser Zeilen. Eine tolle Idee und überaus kommunikativ. Später eröffnete sie gemeinsam mit Rosa den sympathischen Käse- und Wurstladen “Embotits Es Miracle” – auch dies wurde schnell ein netter Viertels-Treffpunkt, was wiederum den neidischen Nachbarn ein Dorn im Auge war, die darauf pochten, dass sie ja nur eine Laden-Lizenz hätten. So endete das “Wunderwurstlädchen”.
2015 startete Juan Carlos mit seiner eigenen Sifoneriá im Terreno-Viertel, Uta übernahm den alten Laden, änderte allerdings 2017 den Namen in “Bodega Santa Clara”. Diese ist bis heute ein beliebter Treffpunkt für Leute des Viertels oder Fans, die auch von weiter her kommen. Man kann vor Ort sein Gläschen trinken, plaudern, hockt auf Limonadenkisten oder kauft sich Wein vom Fass für Zuhause – natürlich zu günstigen Preisen: Ein Glas kostet 2-3 Euro, eine Flasche gibt´s für 3,50 bis 12 Euro.
Und die Kunst erlebt auch ein Revival, denn Uta hat den einige Jahre brach liegenden Galeriebetrieb wieder aufgenommen. Ihre letzte Ausstellung, “Habitació 155” im Januar, war etwas gewöhnungsbedürftig, zeigte sie doch Tücher, die bei einer der traditionellen Schweineschlachtungen benutzt wurden und voller Flecken waren. Da sah man Schmalz, Paprika, Pfeffer und Blut. “Sozusagen der Kontrast von alter ruraler Tradition, gepaart mit der Neuzeit, denn die Tücher waren ausrangierte Kissenbezüge von Touristenhotels.” Geplant sind weitere unregelmäßige Ausstellungen.

Die wahre Liebe
Doch ihr Herz gehört aktuell am intensivsten… den Pflanzen. “Ich laufe eigentlich schon seit über 10 Jahren immer mit gesenktem Kopf durch die Natur.” Das Faible habe sie wohl von ihrer Mutter geerbt, die auch immer mit ihrem Garten beschäftigt war. “Habe ich mich anfangs mit der Kunst eher an meinem Vater orientiert, wandele ich jetzt auf Mutters Spuren”, kommt ihr der Gedanke. Ihr Fokus liegt dabei auf essbaren Wildpflanzen. “Da kann ich stundenlang durch Feld und Wiesen wandern, das beruhigt auch ungemein.” Der Botanik-Fan hat dafür Pflanze für Pflanze in Büchern nachgeschlagen. Ihr Wissen gibt sie in Pflanzenführungen für maximal 12 Per
sonen weiter, wo sie dann erzählt “wie man die gefundenen Pflanzen zubereitet: “Beispielsweise kann man viele Pflanzen perfekt in einem gut gewürzten Tempura-Teig ausbacken, und ein Wildkräutersalat mit einer tollen Vinaigrette schmeckt ganz wunderbar”. Es geht auch darum, welche Pflanzen gut zusammenpassen und was sie bewirken. Dafür fährt sie mit ihrer Gruppe via Bahn oder Bus zu den betreffenden Fundstellen, “wo man Pflanzen findet, die weder von Auto-Abgasen noch von Hunden verdreckt wurden.” Sie hat zudem einen kleinen Snack dabei und zeigt vor Ort auch direkt, wie man die Pflanzen nutzen und essen kann. “Wir sind etwa drei Stunden unterwegs und haben dabei viel Spaß.”
Doch damit nicht genug: Ein Buch ist in Arbeit, für das sie mit der Fotografin Brigitte Lucke zusammenarbeitet. “Ich möchte darin meine Erfahrungen weitergeben, speziell auch mit der mallorquinischen Vegetation, die sich stark von etwa der Vegetation in Deutschland unterscheidet.” Witzig sind auch die Namen – da gibt es das Urgemüse Haferwurz, das ausgebreitete Glaskraut, den stinkenden Hainsalat und den guten Heinrich, eine Spinat-Variation. “Aber ich bin ja in erster Linie Genussmensch und keine Botanikerin, daher werde ich einen großen Teil des Buchs den Rezepten widmen.”

Martina Zender
Fotos: Brigitte Lucke
Kontakt Uta M. Gritschke Bodega Santa Clara, C/. Santa Clara, 4, Palma. Geöffnet Di-Sa 18-21 Uhr. Facebook: Bodega Santa Clara Palma. Kontakt-Telefon – auch für Pflanzenführungen: 667 974 066, Demnächst gibt es einen Blog:
www.mywildgreens.com

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