Zugegeben, der deutsche Name könnte prickelnder sein: „Rutenhirse“ klingt eher nach altem Zwieback als nach etwas, das man im Garten haben möchte. Dabei ist die Staude des Jahres 2020 – Panicum – das genaue Gegenteil von langweilig und verstaubt! Attraktiv, robust und trockenheitsverträglich gehört das Ziergras zu den aktuellen Stars der Gartengestaltung und überrascht immer wieder mit neuen, spektakulären Sorten – und gleich viel klangvolleren Sortennamen wie ’Northwind‘, ’Warrior‘ oder ’Thunder Cloud‘.

Farbkracher: Die Halme von ’Rotstrahlbusch‘ verfärben sich bereits im Juni von den Spitzen beginnend.

Einer, der den Aufstieg der Gattung Panicum genau verfolgt hat, ist Bernd Hertle. Der Professor für Freilandzierpflanzen an der Hochschule WeihenstephanTriesdorf ist auch als Vorsitzender des Arbeitskreises Staudensichtung immer auf dem Laufenden. Für die Staudensichtung wurden rund 30 Sorten angepflanzt und vier Jahre lang regelmäßig bewertet – auch in Weihenstephan.

Grandiose Gartenwirkung
Das Ergebnis bestätigte die herausragenden Qualitäten insbesondere vieler Echter Rutenhirsen (Panicum virgatum). „Sie sind wunderschön, gestalterisch anpassungsfähig und absolut pflegeleicht“, fasst Bernd Hertle zusammen. „Als sogenannte Late-SeasonGrasses entwickeln sie sich im Frühjahr etwas langsamer und blühen erst im Juli/August, sehen dann dafür aber umso prächtiger aus.“Die mal straff aufrecht wachsenden, mal sanft übergeneigten Halme sind je nach Sorte grün, graublau oder glänzen schon ab dem Frühsommer mit attraktiven roten Spitzen. Zur Farbenvielfalt der Halme gesellen sich die zarten Gräserblüten, die wie zarte Schleier über und zwischen den scharf umrissenen Konturen der Blatthorste schweben. Im Herbst warten schließlich zahlreiche Sorten mit einer herrlichen Herbstfärbung zwischen leuchtendem Gelb und glühendem Rot auf.

Vielseitig und pflegeleicht
„Gestalterisch ist noch viel mehr möglich. Panicum passt längst nicht nur zu Scheinsonnenhut (Echinacea), Prachtscharte (Liatris) und Indigolupine (Baptisia), sondern auch in klassische Staudenrabatten. Zum Beispiel zu Stauden-Pfingstrosen (Paeonia lactiflora), von denen ja ebenfalls viele eine schöne herbstliche Laubfärbung annehmen, zu Astern oder zu HerbstChrysanthemen (Chrysanthemum indicum).“Über den Standort muss man sich dabei keine großen Gedanken machen, einzig volle Sonne ist ein Muss. „Die meisten Gartensorten gehören der Art Panicum virgatum an und gedeihen auf allen mäßig trockenen bis frischen Böden – und sind sehr pflegeleicht: „Während der vierjährigen Sichtungszeit haben wir die Pflanzen nicht ein einziges Mal gewässert, doch bis auf wenige sehr breitblättrige Sorten zeigten sie keinerlei Trockenschäden. Düngen ist auf den typischerweise gut versorgten Gartenböden ebenfalls überflüssig.“

Sonne im Herzen: Die gelbgrünen Halme der Rutenhirse ’Warrior‘ verleihen der herbstlichen Rabatte eine fröhliche Note.

Auch im Winter attraktiv
Lediglich einen jährlichen bodennahen Rückschnitt sollte man den attraktiven Gräsern gönnen. „Aber damit unbedingt bis zum zeitigen Frühjahr warten, sonst beraubt man sich der reizvollen Winteraspekte“, erklärt Bernd Hertle und verrät auch gleich noch seine persönlichen Favoritinnen. „Den besten Winteraspekt hat meiner Ansicht nach ’Northwind‘, die ich auch sonst sehr schätze. Sehr positiv ist mir auch die 1,50 Meter hohe neue und noch rare Sorte ’Badlands‘ aufgefallen, die ein fantastisches kupferfarbenes Herbstkleid hat.“ Von den hohen Sorten gefällt Hertle die bis 2,20 Meter hohe, ebenfalls neue Sorte ’Thunder Cloud‘ am besten. „Und nach wie vor finde ich auch ’Strictum‘ sehr schön mit ihren feinen Fruchtständen und der beeindruckenden Herbstfärbung.“
Quelle: Grünes Medienhaus, Infos zu Stauden: www.staudensterne.de

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