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Der Wohnungsmarkt ist eng auf Mallorca, sehr eng – besonders zum Saisonbeginn. Das befeuert nicht nur die Geschäfte auf AirBnB und Co, sondern auch die Wohnmobil-Sparte.

Die belagerte Straße Lluis Ripoll in Richtung Strand und Toilettenhäuschen, (Foto: Wiegemann)

Rasend schnell verbreitete sich im letzten Sommer die Anzeige zur Vermietung eines abgewrackten Wohnmobils für 230 € kalt. Mit der monatlichen Einnahme wollte der Vermieter seine Rente aufbessern. Er versicherte, das 6 Meter lange Mobil wäre – ausgestattet mit Doppelbett, Kühlschrank und Solaranlage – zu dauerhaften Wohnzwecken für 1 bis 2 Personen geeignet. Was wie ein Kuriosum klang, ist tatsächlich eine gängige Geschäftspraxis auf Mallorca. Wohnmobile in groß und klein werden im Internet auf diversen Plattformen und Websites feilgeboten. Eine Nacht im gut ausgestatteten Bulli kostet aktuell zwischen 40 und 90 €. Doch auch Mobile mit eher 10 Metern komfortabler Wohnraum-Länge sind auf der Insel zum gewohnten Anblick geworden. Und dabei handelt es sich nicht nur um die 100 Fahrzeuge des Insel-Clubs abaces.
Stellplätze fehlen
Ein Mallorca-spezifisches Problem dabei ist, dass es kaum vernünftig ausgerüstete Stellplätze für die großen Kaliber gibt. Und nicht jeder Wohnmobilist möchte die geliebte Freiheit und (viel) Geld bezahlen, um sein rollendes Heim sittsam auf Privatgrund abzustellen. Stattdessen tummeln sich zahlreiche Caravans auf den Parkplätzen der Insel. Erlaubt ist, was nicht verboten ist. Und verboten ist lediglich das offensichtliche Campen (eine ausgefahrene Markise beispielsweise). Solange die Fahrzeuge ein versichertes Kennzeichen ziert, steht deren Teilnahme – und damit dem Parken – im öffentlichen Straßenverkehr nichts entgegen

Umkämpfte Plätze
Zum Problem wird dies allerdings, wenn Parkplätze durch diese Praxis dauerhaft blockiert werden. Besonders in Strandnähe ist das ärgerlich, wo der Parkraum ohnehin begrenzt ist. Doch schlimmer geht’s immer: Zu Beginn der Saison, noch bevor es tatsächlich krachend eng auf den Straßen wird, scheint sich bereits ein Verteilungskampf in beliebten Straßenzügen abzuspielen. Einige dreiste Wohnmobilisten verdrängen mit rüpelhaften Einparkmanövern andere Fahrzeuge. Zu erkennen sind Erstere an zerschundenen Stoßstangenecken. Letztere suchen schleunigst das Weite, um sich nach den ersten Kratzern im teuren Pkw-Lack keine weiteren einzufangen. Offensichtlich wähnen sich die versierten Wohnmobil-Piraten auf der sicheren Seite, denn – man höre und staune – bekommt die Empfehlung: „Versuchen Sie es doch mit einer Anzeige, wird Ihnen nichts bringen!“ Wo kein Zeuge, da kein Kläger. Die Polizei hält es sowieso für eine Lapalie. Doch der überrumpelte Mietwagenfahrer mit Selbstbeteiligungs-police ist geneigt, die Fäuste zu schwingen. Bevor Sie sich ein Feilchen holen, meiden Sie besser die Carrer de Lluis Ripoll in der Ciutat Jardi/ Palma – hier ist das Straßen-Piratentum besonders ausgeprägt. Es müssen nämlich auch Strandduschen, Toilettenhäuschen und Meerblick verteidigt werden.

Stell- und Serviceplätze für Wohnmobilisten
Auf Initiative des mallorquinischen Wohnmobilvereins abaces wurde 2011 am nördlichen Stadtrand von Inca (Carrer de Tormir) der erste und bisher einzige vollausgestattete, öffentliche Stellplatz eingerichtet (für 22 Fahrzeuge). Strom- und Wasseranschluss sowie Entsorgungsmöglichkeit stehen zur Verfügung. Allerdings lässt die Insel-Romantik etwas zu wünschen übrig. Ein weiterer, ganz neuer Serviceplatz liegt im Polígono Castelló bei Palma. Dort haben die Stadtwerke Emaya ein Pilotprojekt gestartet. Hier können Toiletten geleert und die Fahrzeuge gereinigt werden. Die ServiceStelle ist von 8 bis 20 Uhr geöffnet.
Ein beliebter Stellplatz befindet sich in Port Vell an der Ostküste. Die Gemeinde stellt den Campern hier auch einen Wasseranschluss und eine Entsorgungsstelle zur Verfügung. Ebenfalls an der östlichen Inselseite (Cala Murada) bietet der Zeltplatz Hipocampo Unterschlupf: Die einfachen Annehmlichkeiten des Campingplatzes sind für kleines Entgeld nutzbar. Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten gibt es hier allerdings nicht, denn die Mobile müssen vor dem Eingangstor abgestellt werden. Ähnlich sieht es beim Zeltplatz Kloster Lluc in der Serra Tramuntana aus: Wohnmobile können auf dem benachbarten Großparkplatz (ohne Versorgungs-einrichtungen) über Nacht stehen. Der nahe gelegene Zeltplatz verfügt über Tischbänke, Toiletten und kalte Duschen. Daneben bieten einige Privat-anbieter komfortable Stellplätze ab ca. 35 € an. Zum Beispiel gibt es seit diesem Jahr beim Verein der Freunde Mallorcas – kurz VDFM, Casa Porto Cristo, Stellplätze für Wohnwagen und Wohnmobile incl. Dusche, WC und Pool. Auf den WuMi Campingplätzen in Porreres und in Felanitx sind jeweils 20 annehmliche Stellplätze ab 45 € zu haben.
Maja Wiegemann

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