Studio Weil – Das ungewöhnliche Kultur- und Kreativzentrum in Port d’Andratx

Das international angesehene Studio Weil liegt wunderschön gelegen, seitlich vom Hafen in Andratx. Es war Studio, Atelier und Ausstellungsraum der Künstlerin Barbara Weil, die 1933 in Chicago, Illinois geboren wurde und 2018 in Port d’Andratx, Mallorca im Alter von 84 Jahren verstarb. Nun ist es als Kunst- und Kreativzentrum zu neuem Leben erwacht.

Barbara Weil
Es war 1967, als Barbara Weil mit ihrem Mann und ihren vier Kindern von Holland Richtung Mallorca segelte. Weil ein Unwetter aufzog, legten sie in einem kleinen Fischerhafen an, eingebettet in traumhafter Umgebung, „paradiesisch“ und der Grund, warum Weil 1972 nach Andratx zog. Zu ihren engen Freunden gehörten der berühmte britische Schriftsteller und Dichter Robert Graves (1895-1985) und der Künstler Hartmut Usadel (1933-2016), die genau wie sie auf der Insel lebten. Sie war eine sehr intuitive Künstlerin und entwickelte neue Techniken, mit denen sie den architektonischen Formen ihrer Gemälde folgend, eine Reihe von Fiberglasskulpturen herstellte. Der Kreis, stehend für die Einheit, für das Absolute, Vollkommene, war für sie nicht nur ein Symbol, sondern auch die Grundlage vieler ihrer Skulpturen, mit der Absicht eine tiefe universelle Emotion beim Betrachten zu erzeugen. Ihre Werke stellte sie in Städten wie Paris, Barcelona, Madrid und Berlin aus und bei Kunstsammlern aus China, Indien und Japan war sie etabliert, viele von ihnen kamen und pilgerten in ihr Atelier. 

Intuitive Architektur
Sie wollte ein eigenes Studio. Auf der Suche nach einem Architekten wurde ihr 1998 Daniel Libeskind empfohlen, der damals zwar schon bekannt, aber noch nicht berühmt war. Erbaut wurde das Studio Weil in einem Prozess von fünf Jahren. Sie hatten eine gemeinsame Intuition und die tiefe Symbiose des Architekten und der Künstlerin führten zu einem wundervoll konzipierten Bau eines außergewöhnlichen Studios. Inspiriert von Barbaras Kunst und ihrer mystischen Persönlichkeit designte Libeskind ihren Auftrag. Starke symbolische Elemente, wie die „Himmelstreppe“ außerhalb des Studios, wurden von den Gedanken des mallorquinischen Philosophen und Mystikers Ramón Llull (*1232 auf Mallorca; †1316 Tunesien oder Mallorca) inspiriert. Die in der Länge sehr hohe Eingangstüre zum Ausstellungsraum auf der zweiten Etage wurde erbaut „für das Eintreten mit deiner Seele, die über dir schwebt und mit der du größer bist“ erzählt uns Charles Weinstein, der jüngere Sohn von Barbara Weil. 

Die Geometrie, das Licht, das Gebäude als ein Ausschnitt des Kreises, der Klang, das Labyrinth, vieles lässt erahnen, dass es hier um ein Wissen geht, mit dem Weil und Libeskind vertraut waren. Gemeinsam ließen sie ein Monument entstehen, in dem Weils Kunst kontrastreich anregend wirkt. „Es ist eine einzigartige Verschmelzung von Architektur und Kunst: eine Verschmelzung, bei der die Architektur in ihrer Form, Materialität und Geometrie die Kunst von Barbara Weil beleuchtet, ergänzt und ihr eine Stimme verleiht“, sagt Daniel Libeskind auf seiner Website.

Veranstaltungen
Das Studio Weil war bis zum Tode von Barbara nur für ihre Kunst bestimmt. Mittlerweile entwickelt sich, nach dem Wunsch der Mutter, das Studio Weil zu einem internationalen Kultur- und Kreativzentrum. Federführend sind dabei die Brüder Jimmy Weinstein (der ein exzellenter bekannter Musiker, Komponist und Schlagzeuger ist und zusammen mit seiner Frau Liliana Santos Workshops zum Thema „Improvisation“ anbietet) und Charles Weinstein (der sich selber „The Storyteller” nennt und Filmemacher ist). Auch die Schwestern Georgina (sie ist Gesangslehrerin und lebt in Barcelona) und Jessica (sie ist Ärztin der Homöopathie und lebt in Gerona) werden sich an der Planung beteiligen. 

Die erste Ausstellung fand mit Werken des engsten Freundes von Barbara statt, dem spanischen Maler Rafa Forteza. Die gerade beendete Ausstellung mit den zwölf Finalistinnen des neuen „Barbara H. Weil Award“, der geschaffen wurde, um das aufstrebende weibliche Talent der Balearen sichtbar zu machen, schickt die Preisträgerin zu einem künstlerischen Aufenthalt nach New York, um dort ihre Arbeiten zu präsentieren. Sehr erfolgreich und zur Wiederholung angeregt, war das preisgekrönte Theaterstück „The Other Mozart“ von Sylvia Milo, eine Geschichte von Mozarts genialer Schwester, gespielt in Deutsch von Anja Bourdais. Die Ausstellung auf der zweiten Etage ist eine Kollektivausstellung „Life during Covid face B“, die die fotografischen Arbeiten von 15 lokalen und internationalen Künstlern zeigt, und immer wieder finden ausgezeichnete Konzerte statt, bei denen Musikliebhaber auf ihre Kosten kommen.

In Vorbereitung
Geplant ist ab Mitte November die Kunstausstellung von Barbara Weil. Es gibt zwei Kulturvereine, die gegründet wurden. Die „Asociación Cutural Barbara Weil“, bei der es um die Unterstützung der Insel-Künstler geht und die gemeinnützige Organisation „Weil Art Exchange“, gefördert durch die William H. Donner Foundation in New York. Ihre Mission ist es, den kulturellen Austausch zu fördern, indem sie internationale Künstler, Musiker und Performer einladen, Kunst, Kultur und Kreativität im Studio Weil zu installieren. „Weil Art Exchange“ ist eine gemeinnützige Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, zeitgenössische Kunst in all ihren Ausdrucksformen zu fördern und zu legitimieren, wobei sie eine Achse von Studio Weil in Puerto de Andratx (Mallorca) und New York City bezieht.“

Info und Kontakt unter:
Studio Weil, C/ Valleluz 1, Port d`Andratx
www.studioweil.com, www.weilartexchange.org
info@studioweil.com
Kontakt unter Tel.: 971 671 647, mobil: 669 383 490

Nermin Goenenc, Roman Hillmann
Fotos: Archiv Studio Weil, Martina Zender, Roman Hillmann, S.Aru

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