Glasscherben, alte Fliesen, Fabrikschlamm: Normalerweise kann man mit dieser Art von Abfallprodukten, die bei der Keramikproduktion anfallen, nicht mehr viel anfangen. Sie wandern für gewöhnlich auf die Deponie und bilden dort Berge von Müll. Das wollte die Firma Granby Workshop nicht länger mit ansehen – und entwickelte mit ihrer „Granbyware“ eine Serie von Tableware, die nach eigenen Angaben zu 100 Prozent aus Überbleibseln der Keramikindustrie besteht.

Neues Leben für Keramik-Reste
In Liverpool sitzt die kleine Firma Granby Workshop, die Fliesen und Geschirr herstellt, Gegenstände für den Alltag, die mit experimentellem Handwerk und speziell ausgeklügelten Fertigungstechniken kombiniert werden. Von Beginn an griffen die Entwickler auf ungewöhnliche Materialien zurück und fertigten ihre ersten Produkte aus dem Schutt der renovierten Häuser in der Nachbarschaft. Nun haben sie sich einem neuen Problem in der Umgebung um Liverpool angenommen, denn im Zentrum der britischen Keramikindustrie fällt eine Menge Abfall an, der zu nichts gut ist und deponiert werden muss. Kein Wunder, entstehen doch alleine beim Abbau von Porzellanerde pro einer Tonne Ton allein neun
Tonnen Ausschuss. Jedes Jahr sind das alleine im Vereinigten Königreich Millionen Tonnen Keramik-, Glas- und Steinabfälle, die entweder auf Halden gelagert oder „downgecyclet“ werden, also zum Beispiel im Straßenbau als Füllmaterial zum Einsatz kommen. Nicht so bei Granby Workshop: Die Entwickler des Keramikherstellers haben sich intensiv mit den chemischen und produktionstechnischen Prozessen hinter der Keramikherstellung beschäftigt, um eben dieser Ausschussware ein neues Leben einzuhauchen – als schönes, langlebiges und robustes Geschirr.

Die Schönheit des Unperfekten
Dabei widersetzen sich Granby Workshop allen Regeln der klassischen Keramikherstellung. Versuchen typische Keramik-Lieferketten, Materialien zu veredeln, Verunreinigungen zu entfernen und etwas Glattes und Einheitliches zu schaffen, bemüht sich Granby Workshop um das genaue Gegenteil: Kleine Flecken und Unreinheiten im Material sind ausdrücklich gewünscht. Der Farbe Blau auf den Tellern und Schalen sieht man beispielsweise an, dass sie aus zerbrochenen blauen Scherben besteht. Nichts soll einheitlich und monoton aussehen – das gibt der Serie etwas sehr einzigartiges, natürliches, nicht zuletzt auch durch die rohen und unglasierten Außenseiten des Geschirrs. Zurzeit wird noch auf Kickstarter für die Recycle-Keramik geworben, die Finanzierungskampagne ist im Oktober ausgelaufen. Nun geht es nach Angaben der Firma in die Produktion. Will man das nachhaltig hergestellte Geschirr kaufen, muss man sich noch ein wenig gedulden. Die Serie „Granbyware“ soll voraussichtlich im April in den Handel kommen. Kontakt: www.granbyworkshop.co.uk

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