Die Fledermaus-Art, die das Corona-Virus angeblich in ihren Genen trägt und es über einen Zwischenträger – sie selbst ist nicht der Überträger – auch auf den Menschen übertragen haben soll und somit als Auslöser der Corona-Krise gilt, ist zwar nicht auf Mallorca zuhause, aber andere Varianten dieser Spezies. Jedoch stehen sie bei uns nicht auf der Speisekarte. Sie ist sogar das Wappentier Mallorcas, weil der Insel-Rückeroberer Jaume I. diese Tiere liebte (obgleich die Legende sagt, man habe die Fledermaus mit Drachen verwechselt). Daher sieht man sie in Stein gehauen an vielen Häusern oder auch beispielsweise auf dem Schildkrötenbrunnen an der Plaza Rey Juan Carlos I. Man könnte deren aktuelle Stigmatisierung als vermeintlicher Herd des Virus insoweit verstehen.

Tiere aussetzen wegen Corona?
Nicht verstehen kann man aber die traurige Tatsache, dass viele Tierbesitzer momentan verstärkt ihre Katzen und Hunde aussetzen oder anonym ins Tierheim geben. Es gibt keinerlei Beweis, ja nicht einmal den Verdacht, dass diese Tiere Virus-Überträger sind. Wir sprachen daher zur aktuellen Situation mit Maxi Lange, studierte Biologin, 1. Vorsitzende und Gründerin des Tierschutzvereins SOS Animal in Calvià und Präsidentin des mallorquinischen Tierschutz-Dachverbandes Baldea. “Gottseidank zeigt sich auf Mallorca dieses Phänomen des Aussetzens noch nicht”, erzählt Maxi Lange. “Aber wenn sich diese Situation weiter zur wirtschaftlichen, lang anhaltenden Krise auswächst, dann sehe ich schwarz. Denn wenn die Menschen keine Arbeit und somit kein Geld mehr haben, dann können sie sich auch das Futter für ihre ´Lieblinge` nicht mehr leisten – und geben sie ab.”

Betreuung von Katzenkolonien
In dieser Situation befinden sich schon jetzt viele Betreuer von Katzenkolonien, die sich teils kaum das Futter leisten können. Die Betreuung erfolgt ehrenamtlich und auf eigenen Wunsch. Viele bekommen von anderen Tierliebhabern Futter- und Geldspenden, oder man teilt sich die Arbeit des Futterbringens. “Aktuell sind diese Katzenkolonien noch größer geworden. Warum? Viele Hotels halten sich normalerweise kleine eigene, von ihnen gefütterte Katzengruppen, die dafür sorgen, dass beispielsweise keine Ratten oder Mäuse auftauchen. Touristen füttern ebenfalls die Tiere. Aber nun mit all den geschlossenen Hotels und ohne Touristen bevölkern sie ebenfalls die anderen Katzenkolonien. Somit braucht man dort noch mehr Futter. Spenden sind jetzt besonders wichtig!” Apropos: Die Betreuung ist aktuell übrigens ganz offi ziell erlaubt. Entsprechende Bescheinigungen stellt die zuständige Gemeinde aus. Erlaubt sind auch freiwillige Helfer in Tierschutz-Stationen. “Wir haben einen Angestellten und täglich 2-3 freiwillige Helfer. Mehr sind aufgrund des ´Versammlungsverbots` nicht möglich.” In diesem Fall werden von den Tierheimen entsprechende Bescheinigungen ausgestellt, damit man sich bei Polizeikontrollen ausweisen kann.
Auch wer privat Tiere auf dem Land hält, darf diese mit einer speziellen Bescheinung besuchen und füttern.

Aktuell sind keine Besuche erlaubt
Was nicht erlaubt ist, sind Besuche, um beispielsweise ein Tier abzugeben beziehungsweise ein Tier auszusuchen oder kennenzulernen. Futterspenden können somit auch nicht vorbeigebracht werden. Aber sie sind – auch in “normalen” Zeiten nicht wirklich erwünscht, denn, wie Maxi Lange meint, “es ist zwar sehr nett gemeint, aber oft wird billiges und falsches Futter gebracht, wobei die Stationen selbst am besten wissen, welche Art Futter sie benötigen.” So hat die eine Station mehr Hunde als Katzen, die andere viele Welpen, die dritte gar keine – alle Tiere brauchen unterschiedliches Futter. Und auch ein weiterer Aspekt ist wichtig. “Wir haben oft günstigere Konditionen bei den Tierfuttergeschäften ausgehandelt, somit sind Geldspenden auf alle Fälle sinnvoller!” Diese können auch zielgerichtet vergeben werden. “Manche sind eher Hunde-, manche eher Katzenliebhaber, andere wollen ganz konkret nur die Welpen unterstützen. Wenn man uns das mitteilt, kommen wir diesem Wunsch natürlich nach”, so Maxi Lange. “Es kann sogar noch spezifi scher geholfen werden, indem man sich für eine Patenschaft für ein konkretes Tier entschließt, meist sind das unsere schwieriger zu vermittelnden Fälle. Das hilft uns auch enorm.”

Nicht akzeptabel
Wie wir alle wissen, ist das Gassigehen erlaubt. In diesem Zusammenhang kann auch Maxi Lange einiges berichten. “Es gab tatsächlich Anfragen zu einer HundePfl egschaft, aber nur für die Zeit der Ausgangssperre. So etwas haben wir natürlich abgelehnt. Die Tiere sind ja auch sensibel und benötigen verbindliche und längere Hilfe. Vor allem verdienen sie auch Respekt und sind defi nitiv nicht Mittel zum Zweck und Alibi, um aus der Wohnung herauszukommen.”
Infos: www.sos-animal-mallorca.org und www.baldea.org
Martina Zender

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