Von der Stirne heiß rinnen muss der Schweiß. So hieß es schon im Gedicht “Das Lied von der Glocke”

von Friedrich Schiller

Und auch wenn damals der Schweiß als Symbol für die harte Arbeit der Glockenbauer stand, so schwitzen wir bei den aktuellen Temperaturen auf Mallorca auch ohne Arbeit. Aber wer behauptet, dass Schweiß stinkt, tut dieser Körperflüssigkeit Unrecht. Denn der unangenehme Geruch kommt nicht vom Schweiß, da dieser zu 99 Prozent aus Wasser besteht, angereichert mit Mineralstoffen wie Kalium, Magnesium und Natrium, außerdem Proteinen, Milch-, Harn- und Fettsäure. Frischer Schweiß ist somit völlig geruchslos und schmeckt ein wenig salzig. Und Schweiß ist wichtig, denn er funktioniert wie eine Art integrierte Klimaanlage und ist somit ein natürliches Regulativ für den Körper: Durch die Verdunstung wird dem Körper überflüssige Wärme entzogen. Cleverer Körper!Dabei verliert man übrigens mindestens einen halben bis zwei Liter pro Tag, je nach Hitze oder Anstrengung auch mehr. Ein Flüssigkeitsverlust, den man unbedingt durch entsprechende Wasserzufuhr ausgleichen muss. Außerdem gibt es auch stressbedingtes Schwitzen, dass unabhängig von Temperaturgraden plötzlich in Extrem- oder Angstsituationen (Angstschweiß) auftreten kann.

Was verursacht den Gerucht
Den Geruch wiederum verursachen erst Hautbakterien, wenn sie auf den Schweiß treffen und diesen quasi zersetzen, sprich “parfümieren”. Rein chemisch hört sich das so an: langkettige Fettsäuren werden zu kürzeren Ketten wie Buttersäure oder Ameisensäure abgebaut. Das Müffeln wird auch durch die spezifische und individuelle Zusammensetzung der Bakterien bestimmt – dabei spielen Geschlecht, Erkrankungen, aber auch Essen und Trinken eine entscheidende Rolle. So schwitzt man beim Genuss von heißen, scharfen und/oder gewürzten Speisen intensiver. Auch große Mengen können den Körper belasten, der dann anfängt zu schwitzen, sowie Alkohol oder heiße Getränke. Beobachtet man Menschen, die stets in heißen Zonen leben, so sieht man, dass beispielsweise Araber oder Asiaten ihr Essen oder ihre Getränke eher lauwarm genießen.
Trocken und sauber
Das erste und klassische Mittel gegen diese gewissen “Düfte” ist somit Reinigung. Eine sorgfältige Hygiene hilft. Speziell Körperpartien, die mit Haaren bestückt sind wie Achseln sind Geruchszentren, denn dort sammeln sich die meisten Bakterien. Ebenfalls betroffen sind andere potentielle “Feuchtgebiete”. Dabei unterscheidet man zwischen ekkrinen Schweiß-drüsen, die vorrangig an Hand- und Fußinnenflächen sowie Achseln auftreten, aber generell auf dem gesamten Körper verteilt sind – mit Ausnahme etwa der Lippen und dem Gehörgang. Sie sondern ein wässriges, elektrolytreiches Sekret ab. Und es gibt die apokrinen Drüsen (Achselhöhlen, Genital- und Analbereich). Diese sind weitaus nährstoff-reicher. Insgesamt hat jeder Mensch etwa zwei bis vier Millionen der beiden Varianten. Wenn man Schweiß nicht ständig abtrocknet oder abduscht, entsteht das feucht-warme Milieu, in dem sich Bakterien wohlfühlen. Dabei bevorzugen sie das Sekret der apokrinen Drüsen.

Was hilft?
Klar ist aber auch, dass man sich nicht permanent abtrocknen, unter Wasser oder in den Wind stellen kann. Insofern muss man zu weiteren Hilfsmitteln greifen, um seine Umgebung nicht zu verschrecken. Zum einen sollte man weite Kleidung tragen. Das reduziert zwar nicht das Schwitzen, aber der Schweiß kann besser verdunsten, bevor ihn die Bakterien zersetzen. Antitranspirantien, die die Schweißporen verengen und somit die Schweißmenge reduzieren, sind meist mit Aluminiumchlorid versetzt, dessen Wirkung nicht umstritten ist. Daher sollte man auf Deos achten, die ohne diesen Bestandteil hergestellt wurden. Interessanter sind bakterien-hemmende Mittel, die mit den Wirkstoffen Farnesol oder DMC versetzt sind.
Schweiß kann auch sexy sein
In der Tierwelt ist das Phänomen schon lange bekannt: die im Schweiß enthaltenen Sexualduftstoffe (Pheromone) können Sexualpartner anlocken. Auch bei Menschen ist durchaus festzustellen, dass gewisse Gerüche aphrodisierend wirken. Nicht umsonst sagt man als Kompliment auch “Ich kann Dich gut riechen”. Dabei ist es eher der riechende Mann, der Leidenschaft wecken kann, denn er scheidet mit dem Schweiß auch Androstenon aus, ein Abbauprodukt des männlichen Sexualhormons Testosteron. Lustschweiß sozusagen…
Krankhaftes Schwitzen
Wer auch ohne Hitzeeinwirkung, Stress oder Anstrengung schwitzt, sollte sich beim Arzt untersuchen lassen. Denn hierbei kann es sich auch um eine Krankheit handeln – die Hyperhidrose. Das Gegenteil, also das Nicht-Schwitzen, bezeichnet man als Hypo- beziehungsweise Anhidrose. Beides ist der Gesundheit nicht gerade zuträglich und muss abgeklärt werden, denn dies können auch Symptome für andere Krankheiten sein. Schweißdrüsen kann der Arzt abschaben und absaugen (Saugkürretage), nur absaugen, heraus schneiden (Exision, ist allerdings veraltete Methode) oder mit Nervengift blockieren (Botulinumtoxin). Auch die relativ neu entwickelte Iontophorese (Gleichstrombehandlung) wirkt effektiv.
Martina Zender

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