Unhaltbare Vorwürfe in Mallorca-Diskussion

Prof. Dr. Karl Lauterbach, SPD, Bundestagsabgeordneter

Wenn es um Mallorca geht, nehmen die Bemühungen deutscher Politiker zur Eindämmung von Corona teilweise bizarre Formen an. Gestern erhob der SPD-Politiker und Epidemiologe Karl Lauterbach in der Talkshow „Maybritt Illner“ schwere Vorwürfe gegenüber der balearischen Regierung. Lauterbach zur gefährlichen Virusvariante P.1 aus Brasilien: “Ich glaube, dass die (Anmerk.: Mallorca) längst P.1 haben und ich glaube auch den Fallzahlen nicht.“ Vorher sei es klar gewesen, „das war P.1, und jetzt hieß es plötzlich, das ist die Ursprungsvariante in Brasilien, aus der P.1 entstanden ist. Das heißt, da wird auch noch getrickst. Ich glaube da kein Wort,” so der Bundestagsabgeordnete. Beweise für seine Vorwürfe legte Lauterbach nicht vor. Zur Diskussion über Reisen nach Mallorca sagte er: “Das kann ich niemandem erklären, dass auf Mallorca gefeiert wird mit einer möglicherweise nicht zutreffenden Inzidenz und dort gelten die Regeln nicht, und hier können die Leute nicht weg.“

In der öffentlichen Diskussion um den Osterurlaub so gut wie keine Rolle zu spielen scheint, dass Mallorca seit Wochen beim Inzidenzwert deutlich unter 50 liegt und nicht mehr als Risikogebiet eingestuft ist. Auch die entspannte Situation und die strengen Hygiene-Maßnahmen bleiben unbeachtet: Nachdem den Festlandspaniern weitgehend und den Briten eine Einreise zu Ostern verwehrt ist, bleiben die Deutschen in nur 10 Prozent geöffneten Hotels und auch sonst so gut wie unter sich. Die Gastronomie schließt entsprechend der Corona-Maßnahmen um 17.00 Uhr, ausgelassene Feiern sind deshalb kaum möglich. Ein PCR-Test bei Einreise soll verhindern, dass Deutsche das Virus mitbringen. Davon unabhängig will Bundeskanzlerin Angela Merkel Reisen nach Mallorca zu Ostern nach wie vor verbieten, sieht aber auch „erhebliche juristische Bedenken.“ Die Bundesregierung lässt derzeit prüfen, ob Reisen „in beliebte Urlaubsgebiete im Ausland“ vorübergehend unterbunden werden können.

Foto: Deutscher Bundestag
Fotograf: Achim Melde 

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