Ich war im Krankenhaus Son Llatzer. Gottseidank nur einige Tage, aber freiwillig war es nicht. Inmitten einer Pandemie, bei der man spätestens im Krankenhaus auf viele Infizierte und auch Corona-Kranke “trifft”, ihnen zumindest relativ nahe ist, ist das kein schönes Erlebnis – speziell auch als negativ getesteter Patient, der ich war. Aber die Vorsichtsmaßnahmen sind umfangreich, man darf sogar sein Zimmer wie eine Gefängniszelle nicht verlassen. Corona ist präsent: In einem langen Verbindungsflur hängen 15 großformatige Schwarz-Weiß-Bilder, die den Alltag im Krankenhaus in Zeiten von Corona zeigen – eine Hommage an Mitarbeiter, Patienten und Opfer der Pandemie. Kunst im Krankenhaus. Das Engagement der Krankenhausmitarbeiter von Putzfrau bis Chefarzt ist enorm. Danke an dieser Stelle dafür!

Nur einige sind denkbar unengagiert und offenbar auch unmotiviert, oder fehlt ihnen doch das Budget? Die Kochbrigade setzt den schon durch Krankheit geschundenen Patienten ein gar grausiges, völlig geschmackfreies Essen vor. Von geschmacksfördernden Zutaten, die gleichzeitig auch eine gesunde Wirkung haben, wie Zitrone, Gewürze und Kräuter ist der Kochtruppe entweder nichts bekannt oder aber – wie man munkelt – ist kein Budget dafür da. Eine unglaublich schlechte Entscheidung, die einen kranken Menschen noch kränker macht, ihn aber definitiv nicht positiv stimmt. Und dies würde zur Gesundung ja auch beitragen. Erst vor wenigen Tagen gab es eine Digitale Konvention bei www.yescon.org, eine hochrangig besetzte Konferenz rund um das Thema Krebs, wobei ein Tagesordnungspunkt auch das schlechte Essen in Krankenhäusern war – mit Gastredner Tim Mälzer. Also ein wenig das Budget erhöhen, die Patienten danken es!

Wo ist die Disziplin hin?

Themenwechsel. Mit der oft, auch von uns gelobten Disziplin der Spanier, speziell der Mallorquiner, in Bezug auf Abstand, Maskennutzung und Einhaltung der Vorsichtsregeln ist es bei vielen nicht mehr weit her. Man wird lässig und unvorsichtig, ist die Einschränkungen leid. Irgendwie verständlich, aber die Konsequenz sind stark gestiegene Fall-Zahlen, die allerdings auch von der Sommerfrische der Madrider und Katalanen auf Mallorca Zeugnis ablegen. Innerspanische Kontrollen bei der Einreise hätten da viel Schlimmes verhindern können und die Insellage wäre da von großem Vorteil in Bezug auf Abschottung gewesen! Aber wie heißt es so schön: “Hätte, hätte, Fahrradkette”. Die daraus folgende Reisewarnung der deutschen Regierung samt Quarantäne-Zwang schreckt viele Deutsche aktuell ab – ein großer Verlust (Stand Redaktionsschluss 23.09.).

Nun ist der Sommer vorbei, die Besucher vom Festland weg und wir, d.h. die Mallorquiner und alle ausländischen Residenten, müssen uns wieder auf unsere Disziplin besinnen, damit die Fallzahlen sinken. Lamentieren, Masken ablehnen, absurde maskenfreie Mini-Demos abhalten und laut meckern, sich dabei umarmen und möglicherweise anstecken sind kontraproduktiv und respektlos. Gottseidank ist dies nur eine kleine Gruppe von Trotzköpfen, die Fakten leugnen und von Diktaktur und fehlender Freiheit faseln. Darunter sind etliche Deutsche sowie spanische Anhänger der rechten Partei Vox. Auch hier also der furchtbare Mix aus angeblich liberalen Gruppierungen und Rechten. Eine explosive Mischung!

Wenn all diese – die Leichtsinnigen, die angeblich un-freien Bürger, die alle Regeln missachten und natürlich die Rechten, die stets ihr eigenes Ego-Süppchen kochen – nur EINMAL nicht nur an sich selbst, sondern an ALLE denken, etwas Empathie, Respekt und Mitgefühl zeigen würden, dann wären wir auf der Insel nicht dort, wo wir uns gerade befinden – nämlich immer noch mitten in großer Gefahr: zwischenmenschlich, gesundheitlich und ökonomisch! So kann man einen bekannten Spruch dahingehend abwandeln in “Wer die Gefahr ignoriert, bringt andere um!” – auch wenn dies “nur” in wirtschaftlicher Hinsicht passiert…

Martina Zender

- Anzeige -