E-Bikes sind aktuell in aller Munde. Über eine Million elektrifizierter Räder werden in Deutschland jährlich verkauft. Doch was zeichnet ein E-Bike überhaupt aus? Und handelt es sich dabei nicht eigentlich um ein Pedelec? Hier nun der zweite Teil der Begriffsklärung.

Akku

Viel Motorkraft bedeutet auch einen höheren Energieverbrauch: Ein Energiespeicher in Form eines Lithium-Ionen-Akkus sorgt dafür, dass der Antrieb die nötige Power bekommt. Grob gesagt: Je größer der Akku, desto höher die Reichweite. Mittlerweile gibt es Akkus, die über 800 Wattstunden bereitstellen. Wobei die Reichweite auch von weiteren Faktoren wie Untergrund, Terrain, Zuladung, Gegenwind und auch dem Gesamtgewicht abhängt, denn ein großer Akku ist schwerer. „Mehr als 80 Prozent der Nutzer, die im Alltag E-Bike fahren, müssen einen 500-Wh-Akku seltener als einmal pro Woche laden. Ein größerer Akku würde hier nur zusätzliches Gewicht bedeuten. 45km/h-S-Pedelecs werden im Alltag hingegen in einem viel größeren Aktionsradius genutzt, da kann man die 1.000 Wh einer Dual Battery sehr gut gebrauchen. Auch wenn man viele Höhenmeter fährt oder sehr lange Radtouren macht, würde man eine geringe Akku-Kapazität immer bereuen“, sagt Markus Riese vom E-Bike Spezialisten Riese & Müller. Durch die Doppel-Akku-Lösung, wie sie an Liegerädern bereits seit Jahren zu finden ist, können die Akkus bequem über einen Anschluss geladen und automatisch zu- oder abgeschaltet werden. Das kann die Reichweite bei Bedarf verdoppeln.

Freilauf

Was passiert, wenn auf einer längeren Tour der Akku trotzdem leergefahren wird? „Das ist bei einem E-Bike kein Problem. Es lässt sich dann einfach ohne Antrieb wie ein Fahrrad fahren“, weiß Knaus. Hierbei hilft der Freilauf, der im Motor verbaut ist und dafür sorgt, dass Kurbel und Motor entkoppelt werden. Bei vielen Motoren ist so ein geringer Tretwiderstand zu spüren. Antriebsspezialist Brose setzt deshalb gleich zwei Freiläufe in seinen Antrieben ein. Dadurch wird das System vollständig entkoppelt und das E-Bike lässt sich ohne zusätzlichen Tretwiderstand fahren. Das funktioniert übrigens auch, wenn man über die 25-km/h-Schwelle kommt und der Antrieb sich automatisch abschaltet.

Display

Das Display liefert den Überblick über Geschwindigkeit, Kilometerleistung, Unterstützungsmodi und noch vieles mehr. Je nach Bedarf gibt es entweder kleine Displays, die nur wesentliche Funktionen zeigen, oder Bordcomputer mit einer Fülle an Informationen und Funktionen. „Über das Display lässt sich auch das Licht einfach einschalten, denn die Beleuchtung am E-Bike wird direkt aus dem Akku gespeist“, sagt Sebastian Göttling vom Lichtspezialisten Busch & Müller. Ganz wichtig sind einfache Bedienbarkeit und gute Ablesbarkeit selbst bei Sonne. Erste Anbieter verzichten mittlerweile allerdings auf das Display und bieten eine Lösung per App und Smartphone an. „Das wird in Zukunft noch viel mehr werden. Man braucht kein zweites Gerät mitzunehmen, denn das Smartphone hat man eh immer in der Tasche“, prognostiziert Sebastian Marten von MTB Cycletech.

Schiebehilfe

Über Display oder Bedienkonsole lässt sich auch die Schiebe- bzw. Anfahrtshilfe bedienen. Sie ist quasi die E-Bike-Funktion des Pedelecs und wird per Knopfdruck zugeschaltet. Das Pedelec erreicht so eine Geschwindigkeit von 6 km/h – ohne dass in die Pedale getreten wird. Die Funktion kann man beispielsweise nutzen, wenn man das Rad bergauf schieben muss oder wenn man schwere Lasten transportiert und sich das wackelige Anfahren ersparen möchte. Allerdings sollte man damit nicht längere Strecken absolvieren, da die Funktion einen hohen Akku-Verbrauch hat. Außerdem ist Vorsicht geboten, da sich beim Mittelmotor die Pedale mitdrehen.

Rückwärtsgang und Rekuperation

Ja, es gibt ihn: Den Rückwärtsgang am Fahrrad. Allerdings nur an speziellen Dreirädern und dann auch nur mit Hinterradnabenmotor. „Beim Rangieren unserer Trikes ist ein Rückwärtsgang eine enorme Hilfe. Das ist komfortabel und insbesondere bei körperlichen Einschränkungen sehr praktisch. Die Entwicklung war jedoch sehr aufwendig“, sagt Alexander Kraft vom Hersteller HP Velotechnik. An Aufrechträdern wird die Funktion hingegen noch nicht umgesetzt. Dafür bieten manche Heckmotoren die Funktion der Rekuperation. Dabei wird die kinetische Energie beim Bremsen in elektrische Energie umgewandelt. Diese fließt wiederum in den Akku, was die Reichweite erhöht.

Quelle: Pressedienst Fahrrad

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